24.04.2009 09:41 Alter: 3 Jahre

Hungern für ein langes Leben?

Warum hungernde Zellen das Leben verlängern.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler verschiedene Mechanismen erforscht, die dem Altern zugrunde liegen. Dabei zeigte sich, dass sich viele Alterserscheinungen durch unsere Lebensweise positiv beeinflussen lassen. Eine geringere Energieaufnahme (kalorische Restriktion) ist eine Möglichkeit.

Stress lässt Zellen schneller altern. Hungern, auch eine Form von Stress, kann das Leben hingegen verlängern und Alterungsprozesse verlangsamen. Hungerkünstler bleiben zudem bis ins hohe Alter fit. Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs oder Demenz treten bei kalorischer Restriktion später oder gar nicht auf. Das wurde in Studien bewiesen. Auch eine neue Untersuchung legt die gesunde Wirkung des „Kohldampf-Schiebens“ nahe. Wissenschaftler der Louisiana State University setzten 24 Menschen auf Diät: Sie durften nur 75 bis 88 Prozent der Kalorienmenge zu sich nehmen, die sie brauchen, um ihr Gewicht zu halten. Nach sechs Monaten wurden die Probanden untersucht: Sie hatten günstigere Insulinwerte und weniger Schäden im Erbgut.

„Der Prozess der Nahrungsverwertung bestimmt unmittelbar die Geschwindigkeit der meisten Alterungsprozesse – wie die Entstehung von zellschädigenden Radikalen, die Verfügbarkeit von antioxidativ wirkenden Schutzstoffen bis hin zu Hormonverläufen und -wirkungen“, so Dr. Rüdiger Schmitt-Homm, Autor des „Handbuch Anti-Aging & Prävention“ „Jede Mahlzeit, die wir zu uns nehmen, hinterlässt ihren Fingerabdruck nicht nur auf unseren Speckpolstern, sondern generell im Zellbereich überall im Körper.“

Doch was genau passiert dabei im Körper? Bestimmte Enzyme der sogenannten Sirtuin-Familie werden angeschaltet, wenn die Energiezufuhr sinkt. Sirtuine stärken die Gesundheit, wirken indirekt Entzündungen entgegen und verzögern den Zelltod. Nach einigen Stunden ohne Nahrung lässt ein Gen die Produktion von Sirtuinen anlaufen. Diese aktivieren dann bestimmte Proteine, die die Widerstandskraft der Zelle erhöhen.

Gegen völlige Enthaltsamkeit sträubt sich aber die menschliche Natur: Hungerkuren sind schon oft gescheitert. Doch: Wer nur 30 Prozent weniger isst, lebt 30 bis 50 Prozent länger. Wichtiger noch: Sie werden gesund, intelligent und glücklich älter, versprechen Wissenschaftler. Wie der Franzose weiß: Weniger ist mehr, und dabei muss auf Genuss nicht verzichtet werden. Die Nouvelle Cuisine legt Wert auf hochwertige Nahrungsmittel wie Gemüse, Salate, aber auch auf  Eier, Pilze, Fisch und Fleisch, die eine optimale Eiweißzufuhr gewährleisten.

Aber reduzierte Kaloriendichte wirkt nur bei gleichzeitig hoher Nährstoffzufuhr hemmend auf Alternsprozesse. Das bedeutet: Die Lösung ist nicht die einfache Reduktion von zwei Knödeln auf einen, sondern der Austausch des zweiten Knödels durch ein komplexes Angebot von Gemüse, Salat und Obst. Gezielte Nahrungsergänzungen durch Vitalstoffe können zudem helfen, optimierte Zellschutzwirkungen zu erzielen.

Übrigens: Viele Menschen essen automatisch weniger, wenn sie Stress haben. Doch der Effekt: ist leider gleich Null, denn „Stress und kalorische Restriktion heben sich gegenseitig auf. Wer gewinnt, hängt vom jeweiligen Ausmaß ab“, so Schmitt-Homm. Ein guter Weg ist, das Essen nur wenig zur reduzieren – zum Beispiel abends (Dinner-Cancelling) – und Stress möglichst wenig entstehen zu lassen. Vermeiden Sie Heißhunger mit gesunden Snacks und genießen Sie jede Mahlzeit bewusst!

Quelle: Opens external link in new windowhttp://dgk.de/presse/


Von: Michaela Heck
Kategorie: Wissenswert

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